Einar Schleef stotterte. In Prechtels Film wird sein Stottern zum Symptom einer Art innerer Zerrissenheit, einer Auseinandersetzung mit Sprache, wie sie im Theater so wichtig ist; einer Auseinandersetzung mit Deutschland, wie sie ohne Sprache nicht möglich ist; einer Auseinandersetzung mit den Eltern, mit denen man nicht sprechen kann und mit der Grausamkeit des Dorfes, das man verlassen will - Richtung Kunstuni. Richtung Stadt. Nach Berlin. Einer Schleef hat die DDR nicht geliebt und er hat später auch die BRD nicht geliebt. Anders als das Berlinale-Publikum, das über die Sequenzen lachen kann, in denen Kritiker Schleefs zu Wort kommen, sieht man ihn in jenen Sequenzen selbst eher ernst, manchmal wütend. Der Film zeichnet einen Menschen, der viel zu sensibel ist, um lachen zu können, wenn andere sein Werk nicht verstehen - vielleicht gerade weil das Nicht-Verstanden-Werden für ihn eine so vertraute Erfahrung ist.Immer wieder bringt er die eigene innere Zerrissenheit auch in seinen Stücken zum Ausdruck, in denen er die Schauspieler:innen gemeinsam sprechen lässt, um zu verstehen, warum der erste Weltkrieg, warum der zweite Weltkrieg, warum so etwas geschehen kann und warum so etwas überall und immer wieder geschieht. In den Theatersequenzen sieht man die Darstellenden etwas Kollektives erfahren, das mit der Kraft des gemeinsam gesprochenen Wortes zu tun hat, aber auch mit dem ohnmächtig werden der eigenen Stimme und der Gefahr der Auflösung in der Gruppe. Wir erfahren gegen Ende des Films, dass Schleef flüssig sprechen konnte, wenn er in einer Rolle war - also jemand anderes, als er selbst. Im Stottern ist es angelegt, dass die eigene Stimme nicht gegen einen verwendet werden kann und so haben wir es hier mit einem Theatermacher zu tun, der nie vereinnahmt, aber auch nie ganz verstanden werden konnte. Beides hängt unmittelbar zusammen, wie diese Dokumentation eindrücklich zeigt.










