Ein Eiland als offenes Buch über deutsche Befindlichkeiten, hundert Jahre Geschichte mit Schattenseiten und den lichten Zeiten. Konflikte im Einmachglas, der Schnitt und die gelungene Montage verflechten Themen und Epochen. Nichtlinear gesponnen von der Stummfilmzeit mit Asta Nielsen und Literaturpapst Gerhard Hauptmann, über die Nazi- und DDR-Diktatur, hin zur aktuellen Politik und Auseinandersetzungen.Symbolisch wird Monopoly gefilmt als Spielball des Kapitalismus. Wer kann es sich leisten, auf der Insel zu leben, wer kann bleiben? Puppen dienen als Visualisierung der verschiedenen Künstler:innen und Promis auf der Insel. Den Kern bilden Häuser mit Geschichte, das Heimatmuseum und hellwache Hundertjährige, die über ihr Jahrhundert erzählen. Zwischen der wilden Natur mit Sandstrand und romantischen Dünen ist der Film konsequent in ästhetischen Schwarz-Weiß-Bildern gehalten. Das lässt ein Gestern, heute und morgen miteinander zu einem Gesamtkunstwerk verschmelzen. Diese eine Einstellung mit dem Blick aus der Gegenwart in die Vergangenheit als DEFA-Film im Freiluftkino – wow. Der elektronische Soundtrack kommt von Flake – auch Feeling B selbst als einer der bekanntesten Vertreter der „anderen Bands“ und des Punk-Gefühls der 80er auf der Insel darf mit Songs nicht fehlen.Es wird klar, dass die Insel immer besonders war und von verschiedenen Seiten vereinnahmt wird. Die gegenwärtige Konfliktlinie zieht sich zwischen dem Bürgermeister und seiner schlagersingenden Partnerin gegen den Pastor und weitere gesellschaftlich Engagierte. Damit steht zugespitzt gesagt ein Kulturkampf mit Hochkultur gegen Ballermann, der bis zu einem Ausverkauf und auch Rechtsruck reicht. Der Film ist dabei beobachtend und bezieht keine direkte Stellung.Im Q&A erzählt Annekatrin Hendel, dass die Protagonist:innen ihnen gleich am Anfang in den ersten Tagen Dreh über den Weg gelaufen sind. Die Entschleunigung durch fehlende Präsenz von Autos ändert die Perspektive. Auf kritische Fragen, warum z. B. der Ort Neuendorf kaum vorkommt, antwortet sie, dass sie ihre Sichtweise der Insel im Film abgebildet hat.









